Dreimal spielentscheidend wechseln.

Eigentlich mit wenig Hoffnung in den Spieltag gehen. Die Pokalpleite noch nicht richtig verdaut haben. Irgendwie trotzdem schon wieder auf das anstehende Spiel freuen. Gegen den Lieblingsgegner FC Union antreten. Nie schlecht gegen die Eisernen aussehen – Angstgegner. Eigentlich kein gutes Gefühl haben. Trotzdem wieder (an)gespannt vor dem Fernseher sitzen. Stereoanlage aufdrehen, Stadionfeeling genießen. Den Freitagsspieltag verfluchen. Eigentlich im Gästeblock stehen wollen. Union wieder nicht auswärts fahren können. Die unrühmliche Serie der Nichtanwesenheit fortsetzen müssen. Trotzdem zufriedenstellend gefüllten Gästebereich sehen. Die DFL einmal mehr ziemlich doof finden.

Mal wieder dem allspieltäglichen Aberglauben fröhnen. Das bisher in Stein gemeiselte Spieltagsritual über den Haufen werfen. Alles anders machen. Änderung anstreben, Wende einleiten. – Schal, T-Shirt und Boxershort tauschen. Ja – Boxershort. Ja, Unterhose. Ja, Unterwäsche kann Spielausgänge beeinflussen. Jetzt vermutlich Unverständnis ernten. Oder ausgelacht werden. Vom Thema abschweifen. Zum Wesentlichen zurückkehren:

Die Aufstellung lesen – vier nominelle Stürmer auf dem Spielberichtsbogen stehen sehen. Verblüffung. Aufstellung gedanklich sortieren. Erinnerungen an die erfolgsverwöhnte Aufstiegssaison aufkommen lassen. Angriff ist die beste Verteidigung. Selber den Ball haben wollen. Selber Tore schießen wollen. Den Sinn erkennen: Die Mannschaft kann nicht mauern. Auf die Stürmer der zweiten Hälfte gegen den FCK freuen. Auf ein System mit zwei Spitzen freuen. Über die eintretende Einsicht von Frank Kramer freuen. Auf den Anpfiff freuen. Auf Punktejagd begeben.

Anpfiff. Nach wenigen Minuten in Führung gehen. Hohe Freistoßflanke, Kopfball, Kopfball – Tor! Geiles Ding! Zwischen Wohnzimmertisch und Fernseher rumspringen. Faust ballen. Durchs Haus brüllen. Gegen den Sitzwürfel kicken. Angestauten Frust herauslassen. – Frühe Führung, das schmerzlich vermisste und herbeigesehnte Positiverlebnis erleben können. Wieder in die Spur kommen. Eine konzentrierte, bissige, oft früh foulende Fürther Mannschaft das zweite Tor verpassen sehen. Die Verunsicherung von Union spüren. Ein gutes Gefühl für das Spiel bekommen – könnte was werden. Den Gedanken als verfrüht verwerfen. Weiter konzentriert bleiben. Da geht was!

Halbzeit. Zufriedenheit und Optimismus verspüren, von der neuen Spielausrichtung überzeugt sein. Das deprimierende Pokalspiel in Vergessenheit geraten lassen. Ein wenig vor einer frisch angestachelten Berliner Mannschaft Bammel haben. Ob der eigenen Meinung zu einem Zwei-Stürmer-System bestätigt fühlen. Das Beste für den zweiten Durchgang hoffen. Zwischenzeitlich verlorenes Vertrauen in das Team zurückgewinnen.

Durchgang zwei. Erkennen, dass sich die Mannschaft zunehmend findet. Fluchen über den Pfostenschuss von Zulj. Die Partie größtenteils im Griff haben. Nicht von den Provokationen und plumpen Schwalben der Berliner Truppe aus dem Konzept bringen lassen. Nicht in Schönheit sterben. Kämpfen. Durchbeißen. Den lange vermissten Willen demonstrieren. Trotzdem clever anstellen. Mit etwas Glück um einen Platzverweis für Schröcki kommen. Den entscheidenden Punch nicht setzen können. Weiter vor der Glotze mitzittern.

Schlussphase. Aufkommende Hektik verspüren. Tief hinten drin stehen, auf Konter lauern. Konter schlecht ausspielen. Lange Berliner Bälle abwehren. Der uninspiriert angreifenden Berliner Mannschaft viel Positives abgewinnen können. Caligiuri und Röcker für ihre Abwehrleistung feiern – starkes Ding, Männer! Angespannt vor dem Fernseher rumtigern, das ganze Spiel im Stehen verfolgen. Nochmal einen Schluck aus der Flasche nehmen. Nervosität. Die drei Punkte vor Augen haben. Die Szenen aus der Nachspielzeit in Braunschweig vor dem geistigen Auge ablaufen sehen. Frustfoul, Platzverweis, Union einer weniger. – Durchhalten! Über die Zeit bringen! Hinten dichthalten! Die immens wichtigen Punkte nicht weggeben!

Schlusspfiff. Jubel. Durch das Wohnzimmer brüllen. Mama Highfive geben. Freude. Und – Erleichterung. Den Kampf richtig angenommen haben. Das Glück auf der eigenen Seite gehabt haben. Willen zum Sieg erkennen lassen. Willen zum Sieg erkennen können. – Das Kleeblatt Fürth ist wieder da! Irgendwie. Eigentlich nie richtig weg gewesen sein. Keine Antwort wissen. – Auswärtssieg! Nach gefühlten Jahren mal wieder gewonnen haben. Krisenbewältigung. Auf den Anfang einer Serie hoffen. Auf’s nächste Spiel freuen. Zusammenstellung aus Schal, T-Shirt und Short merken; die Ritualänderung als ausschlaggebend empfinden. Den Blick nach vorne richten. Den Blick nach oben richten.

Gewinnertypen. (via Stephan Schröck Instagram)
Ein Sieger-Selfie knipsen. (Copyright: Stephan Schröck Instagram)

 

Gemeinsam nur nach vorne!

 

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