Ideentifikation.

„Was willst du denn bei die Greuther? Da sind dreitausend Leute im Stadion …“ – Es ist gerade noch so die erste Pause, meine Schulklasse findet sich allmählich in einem abgenutzten Schulbus ein, der uns in wenigen Minuten zum Sportunterricht auf die Anlage eines großen Fürther Breitensportvereins bringen sollte. Die Clique von Jungs, mit der ich regelmäßig im Hof kicke, lenkt ihre Gespräche erwartungsgemäß auf das Thema Fußball. In einem vorpupertären Alter färbt die vereinsbezogene Gesinnung der Eltern erfahrungsgemäß noch stark auf das Sympathieempfinden der Sprösslinge ab und folgerichtig finde ich mich in einem in seiner Zusammensetzung obligatorischen Konstrukt aus Club- und Bayernfans wieder. Nunja, Fan ist in diesem Zusammenhang retrospektivisch wohl eher als Abkürzung für die Bezeichnung Fähnchen im Wind zu verstehen. Aus einem mir heute nicht mehr bekannten Grund wird mein Stadionbesuch am Wochenende thematisiert, das oben beschriebene Zitat fällt. Ich verstand schnell, dass jeglicher Versuch argumentativ zu antworten der provokativen Frageintention nicht gerecht geworden wäre und zeigte mich rein äußerlich bemüht unbeeindruckt, wenngleich die unreife Persönlichkeit natürlich von solcherlei Provokationen angegriffen wird. Einerseits möchte man gegenüber seinen Mitschülern natürlich keine Schwäche zeigen, die Angriffsfläche für folgende Piesackereien liefern könnte. An meiner Überzeugung, denn darauf zielen derlei dämliche Kommentare schließlich meistens ab, änderte das überhaupt nichts. – Aus heutiger Sicht fällt es mir wirklich schwer, zu benennen, was damals der Grund für meine feste Überzeugung war. Abgedroschen formuliert: Einmal auf den Geschmack gekommen, also eine Hand voll Spiele im Stadion erlebt, sporadisch mit anderen Zuschauern Worte gewechselt, mit der ganzen Sache ein wenig auseinandergesetzt, fühlte es sich einfach richtig an.

Mittlerweile sind gut und gerne fünf Jahre vergangen, seit ich eine Zeit lang regelmäßig an dieses konkrete, symbolische Ereignis in meiner Schulzeit zurückdenken musste. Mit unbändigem Stolz konnte man zu der damaligen Zeit Revue passieren lassen, auf welchem surreal erscheinenden Weg man sein Kleeblatt weit über ein Jahrzehnt hinaus begleitet hatte. Auf der einen Seite sind da noch Heimspiele gegen LR Ahlen oder Rot-Weiß Oberhausen in meinem Gedächtnis, die man mit 3.000 anderen Bekloppten unter einen widerspenstigen Regenponcho gezwängt – zu dieser Zeit übrigens noch kein Choreoutensil – auf der damals noch unüberdachten Nordtribüne (only 90s kids will remember) verfolgte. Auf der anderen Seite ist da eine Spielvereinigung in meinem Kopf, die mit einigen Spielern aus der eigenen Jugend und einer gigantischen Saison im Rücken in die Eliteklasse aufstieg. Im Rahmen der Fürther Verhältnisse musste man – ich klinge jetzt möglichweise ein wenig, wie unser werter Präsident gelegentlich – sagen: Eine absolute Erfolgsgeschichte. Das Kleeblatt legt den Makel der Unaufsteigbaren ab, das Stadion wird punktuell modernisiert, der Verein darf regelmäßig einen pickepackevollen Ronhof vermelden. Wenngleich man von den verwöhnten, anspruchsvollen Bundesligaanhängern zum allergrößten Teil noch immer als die nicht ernstzunehmende Nummer beäugt wird, die halt irgendwo in einer Reihe mit dem SC Paderborn und anderen vergleichbaren One-Hit-Wondern auch mal ihre 34 Matches of Fame abbekommen sollte – es gelang trotz einer im Nachhinein leicht überenttäuschenden Saison doch, wieder ein wahrnehmbares Ausrufezeichen auf die Landkarte der Fußballbedeutsamkeit zu packen. Die Spielvereinigung war nicht länger der sinnbildliche, labbrige Regenponcho im mittelfränkischen Nieselregen.

Tja, „war“. Präteritum, an dieser Stelle bewusst gewählt. Und um nun den großen Bogen zur Aktualität zu spannen, möchte ich an dieser Stelle eine provokante Frage in den Raum stellen:
Was davon ist bis heute überhaupt noch übrig geblieben?

Dämpfer

Das Kleeblatt kämpft sich in der laufenden Spielzeit im DFB-Pokal bis zu einem Heimspiel gegen die Borussia vom Niederrhein durch. Eine Runde früher hieß der nach Fürth gereiste Kontrahent noch FSV Mainz 05. Für die absolut enttäuschende Zuschauerzahl von sechstausendirgendwas Leuten hat man zur unaufgeregten Enttäuschungslinderung die üblich verdächtigen Realitivierungsmittel zur Hand: Kalt wäre es schließlich schon gewesen, an so einem für Arbeitnehmer super ungeschickten Dienstagabend und, naja, so ein überragend attraktiver Gegner ist dieses Mainz dann halt doch auch wieder nicht.

Das Nächstrundenlos Mönchengladbach versprach dann doch die Strahlkraft eines Bundesligisten zu vermitteln. Eines Champions League-Teilnehmers. Ein leichter Hauch vom internationalen Glamour des Weltfußballs sollte durch den altehrwürdigen Ronhof wabern. Ein mit Nationalspielern gespickter Kader, ein Traditionsverein mit stattlich gefüllter Trophäenvitrine. In diesen exquisiten Genuss wollten schlussendlich nach offizieller Zählart rund zwölftausend Besucher kommen – auch wenn rund um meinen angestammten Platz im Stadion die Diskussion entstand, an welchen Stellen im Ronhof an diesem Abend noch rund dreitausend Leute hätten Platz finden sollen, stellte die Summe doch erneut eine spürbare Enttäuschung dar.
Nun ist die Zuschauerproblematik beim Kleeblatt ja schlussendlich doch auch keine neue. Und paradoxerweise eine Problematik, die wenig nachvollziehbar ist. Macht man sich unmittelbar nach den Spielen auf den Fußweg durch die stadionnahen Straßen, kommt einem in regelmäßigen Abständen diese obligatorische Gruppe Fußgänger entgegen, die beim Sichten des weiß-grün leuchtenden Schals ein „Wie hamsn gschbilld?!“ nicht unterdrücken kann. Gut, nachdem sich das Smartphone erwartbar zum state of the art sämtlicher Altersgruppen gemausert hat, haben auch solche Vorkommnisse quantitativ abgenommen, aber eine Frage bleibt doch: Warum in Dreiherrgottsnamen schwingen diese Leute, trotz offensichtlichem Interesse an den Spielen der Spielvereinigung und offenkundig zum Zeitpunkt des Spiels weitestgehend frei von Terminen, ihren Hintern nicht ins Stadion? Wo sind die ganzen Leute, die sich pünktlich zu den Highlightspielen mit Karten eindecken, denn bei den Ligaalltagsspielen gegen Sandhausen oder Kaiserslautern? Offensichtlich gibt es, trotz einer Vielzahl überwiegend rot-dominierter Landkreise in der näheren Umgebung, ja doch einen soliden Stamm von Fußballinteressierten mit einer gewissen Affinität zur Spielvereinigung.
Die Schwelle, die bei der Entscheidung für einen persönlichen Stadionbesuch überwunden werden muss, scheint für einen beträchtlichen Teil der Fürther Anhänger und Sympathisanten im Moment höher zu liegen, wie es bereits einmal der Fall war.

Über die Gründe für das Fernbleiben der eigenen Anhängerschaft bzw. der geneigten Symphatisanten, die in ihrer Gesamtheit vermutlich vielschichtig sind, kann man selbstverständlich nur mutmaßen. Man bedenke an dieser Stelle, dass das Kleeblatt über die letzten Jahre einige Umfragen startete, die wohl Licht in dieses thematische Dickicht bringen sollten. Wie könnte man den Stadionbesuch attraktiver machen? oder Wie könnte die Anreise angenehmer gestaltet werden? wurde da beispielsweise sinngemäß erfragt. Zeigt, dass die Erforschung dieser Gründe auch von offzieller Seite beleuchtet wurde. Gebracht scheint es, gelinde gesagt, nicht viel zu haben. Leider. – Das Zugpferd sportlicher Erfolg scheint eben nicht nur in Leipzig für einen Antrieb zu sorgen, der die Leute in größerer Menge hinter dem Ofenrohr hervor zu locken vermag. Verspricht eine Mannschaft nicht für das wöchentlich berauschende Fußballerlebnis sorgen zu können, scheint das für die Leute ein wesentlicher Hemmschuh auf dem Weg ins Stadion zu sein. Wer möchte schließlich auch schon arbeitenden, ehrlichen Fußball sehen?! – Nein, so einfach darf man es sich bei der Erklärung sicher auch nicht machen. Das Gegenbeispiel liefert beinahe tagesaktuell die bezuschusste Turn- und Sportgemeinschaft Hoffenheim 1899 e. V., die trotz attraktivem Spektakelfußballs und einem vierten Tabellenplatz mit dem eigenen Zuschauerzuspruch hadert. Bevor nun die Ersten erhobenen Zeigerfingers ins Wort fallen möchten: Ja, der Vergleich des Badener Dorfs mit der restlichen Obrigkeit der Bundesliga mag hinsichtlich der dortigen Voraussetzungen sicherlich ein wenig hinken, aber: es zeigt recht eindrucksvoll, dass die flugs aufgestellte Gleichung sportlicher Erfolg = Attraktivität = verstärkter Zuschauerzuspruch eben doch einer zu eindimensionalen Vorstellung folgt. Es muss schon noch mehr zusammenpassen, damit die Tickets in besonderem Maß ans Volk gebracht werden.

Identifikation

Die Nürnberger Nachrichten griff mir beim Verfassen dieses Textes kurz vor dem Derby ein Stück weit vorweg und druckt in wenigen Zitaten, entnommen aus einem Interview mit Trainer Radoki, ein Meinungsbild ab, das ich an meiner persönlichen Zustimmung gemessen nicht unverbreitet lassen möchte:

„Zumindest einen Wunsch für die Spielvereinigung hat er [=Radoki] schon geäußert. ‚Identifikation‘ muss für die Zukunft wieder das Schlagwort für die Spielvereinigung sein. ‚Der Fußball ist übersättigt. Jeden Tag kommt irgendwo ein Spiel im Fernsehen. […]‘ – Um auch den Zuschauerschwund in Fürth zu stoppen, müsse der Verein wieder vermehrt auf den eigenen Nachwuchs setzen, ein Alleinstellungsmerkmal schaffen. Über Jahre genoss die SpVgg einen exzellenten Ruf als Ausbildungsverein.“

Betrachtet man etwas detailreicher, welche Maßnahmen die Spielvereinigung in vielerlei Hinsicht in der näheren Vergangenheit eingeleitet hat, sehe ich ein klares Bestreben, das Radokis Forderung untermauert: Stärkung der eigenen Identität, Stärkung der Identifikation mit dem Verein.

Jubel. (Quelle: http://www.spvgg-fuerth.com)

 

Als ersten Punkt möchte ich den neuen Caterer anführen. Die subjektive Rezeption der angebotenen Speisen und Getränke an dieser Stelle mal bewusst ausgeklammert, ist es schon ein grundlegender Unterschied, ob man einen regional ansässigen Caterer (über den Firmensitz hüllen wir mal den Mantel des Schweigens) oder einen Massencaterer von der Stange beauftragt, der mit einem Standardangebot nach dem 0815-Prinzip Bier-Wurst-Eis ein dutzend Stadien parallel versorgt. Die fränkische Betitelung der angebotenen Speisen ist eine nette Randnotiz, die Individualität und Heimatverbundenheit suggeriert.

O Captain! My Captain!

Auch der Trainerwechsel stellt einen weiteren Fingerzeig dar:
Professionell emotionslos und in der Konsequenz der Entscheidung für Fürther Gewohnheiten beinahe etwas untypisch wirkend, wird das Kapitel Ruthenbeck im letzten Viertel der Vorrunde folgerichtig beendet. Schlussendlich klingt ein passendes Resümee wohl wie der Trennungsgrund vieler heranwachsender Paare dieser Zeiten: Es hat einfach nicht mehr gepasst. Auseinandergelebt, zerstritten, Perspektive verloren.

Ambitioniert und vollmundig trat er seine Aufgaben damals an, dabei nicht müde geworden zu betonen, dass man es mit Prozessen zu tun hätte. Eine entwicklungsbedürftige, vermeintlich elitäre Spielidee, die Offensivspektakel und Dominanz versprechen sollte. Eine Spielidee, die Fürth im dunkelgrauen Alltag der zweiten Liga aufleuchten lassen sollte. Die Annahme, dass Ruthenbeck mit dieser Spielidee weniger die Spielvereinigung als viel mehr seinen eigenen Namen verknüpft sehen wollte, liegt heute nicht übermäßig fern.

Der stellenweise zu verbissen unangepasst und überkonsequent erscheinen wollende Übungsleiter stolperte rückblickend über das, was ihm viele als seine große Stärke auslegen wollten – die vordergründig lockere, auf Sachebene jedoch tendenziell anmaßende Kommunikation in der Öffentlichkeit. Dass seine Mannschaft in kaum mehr als einer Hand voll Spiele im Zeitraum von eineinhalb Spielzeiten so funktionierte, wie es die nachgeeiferte Ambition versprochen hatte, ist dabei wohl sicherlich ein Aspekt, allerdings nicht der ausschlaggebende. Auch innerhalb des Kaders schien sein Führungsstil, gemessen an der hohen Quote unzufriedener, unmotivierter oder gar regelrecht geschasster Profis, nicht mehr zu fruchten.

Dem zu diesem Zeitpunkt bereits angezählten Ruthenbeck war es nach eigener Aussage etwa „scheißegal“, wie andere seine Arbeit bewerteten. Eine unmissverständliche Spitze gegenüber seiner Vorgesetzten im Verein. Just zu einer Zeit, als die nächsten Entwicklungsschritte der Mannschaft all zu überfällig erschienen und das falsche Ende der Tabelle in Sichtweite geriet. Das Publikum hinter der Auswechselbank erhielt Mitte der vergangenen Saison im Rahmen eines impulsiv vorgetragenen Interviews gar das Prädikat „asozial“ verliehen. – Wer meine Gedanken im Rahmen dieses Blogs etwas verfolgt, weiß eventuell, dass auch ich lange an Ruthenbecks Idee wie auch deren Erfolg glaubte. Ein Glaube, der mit dem Verlauf der vergangenen Vorrunde zügig abbaute. Trotz des Zugeständnisses von Entwicklungszeit und der – zumindest öffentlich so kommunizierten – Verpflichtung von Wunschspielern, war der Fortschritt stark ernüchternd. Es wurde zunehmend spürbar, wie die Auftritte der Mannschaft weder auf dem Feld, noch auf den Rängen Feuer zu entfachen vermochten. Ruthenbeck kam als Mensch zu keinem Zeitpunkt in Fürth an, schien mit seiner sturköpfig verbissenen Ader kaum Zugang zur eigentlich recht artenverwandten, muffelig pessimistischen Art der Mittelfranken zu finden. Stefan Ruthenbeck gab in der gesamten Zeit seines Engagements keine Figur ab, mit der sich die Anhänger anfreunden konnten. Geschweige denn: identifizieren.

Symbiose

Der neue Übungsleiter ist ein alter Bekannter: Janos Radoki. Ein Mann, dessen aktive Zeit beim Kleeblatt mit meiner aktiven Zeit beim Kleeblatt leider eine verschwindend geringe Schnittmenge bildet. Dennoch sollte der Name Radoki natürlich ein gängiger Begriff für jeden Fürther Fußballfreund sein. In gewisser Weise ist Radoki die Antithese Ruthenbecks. Aussagen, die stets realistisch und klar verpackt sind, stehen ebenso an der Tagesordnung, wie die offenkundig erfolgreiche Vermittlung bzw. Schärfung der nötigen Primärtugenden.
Radoki schafft es aktuell, die Spielvereinigung mit einer klaren Linie gewinnbringend weiterzuentwickeln. Die Defensive stellt sich den gegnerischen Angriffsbemühungen wieder deutlich souveräner in den Weg, die Systemumstellung scheint dem Stärken- und Schwächenprofil der angestellten Profis entgegen zu kommen. Radoki verspricht das zu sein, was die Spielvereinigung als Weiterentwicklung von Mike Büskens benötigte: Eine Führungsfigur, die es unaufgeregt, mit fundiertem Verständnis für die Vereinsphilosophie und Mentalität des Umfeldes, versteht, den Verein wieder seinem lange Zeit identitätsstiftenden Profil nahe zu bringen.

 

Jedoch scheint der Verein nicht nur in der Trainerpersonalie den Faktor Stallgeruch wieder stärker zu gewichten. Die Rückholaktion Schröcks war zu der damaligen Zeit ein Transfer mit Signalwirkung. Und fügt sich in seiner Machart nahtlos in das Bild vergangener Transfers ein, als Spieler wie Caligiuri und zuletzt auch Sararer zurückgeholt wurden. Der Verein scheint verstanden zu haben, dass die philosophiebedingte Verkaufs- und Rotationspolitik Gefahren birgt. Nicht nur in sportlicher Hinsicht, sondern vor allem in Form einer Distanzierung vom eigenen Anhang. Um jungen Profis einen gesunden Nährboden für die persönliche Entwicklung bieten zu können, muss ein Gerüst Halt bieten. Eine Rolle, die mit vereinserprobten Rückkehrern vor dem Hintergrund des limitierten Handlungsspielraums nahezu perfekt besetzt ist.
Das drehende Personalkarusell lässt einem kaum mehr die Möglichkeit, Spieler sozusagen lieb zu gewinnen. Kaum in Ruhe beäugt und im Optimalfall für tauglich befunden – Puff! – schon wieder weg. Ob Radoki ebenfalls diese Problematik im Kopf hatte, als er kurzerhand einige seiner ehemaligen A-Jugend Schützlinge zu den Profis holte, ist nicht übermittelt. So oder so ist es allerdings eine Entscheidung, die man aus der Perspektive Außenstehender nur gutheißen kann.

Ohne die anderen Jungprofis aus den eigenen Nachwuchsmannschaften zu kurz kommen lassen zu wollen, möchte ich einen aus dieser Riege doch herausstellen: Patrick Sontheimer. Und das sollte niemanden überraschen, der die Rückrunde der Spielvereinigung bis zu diesem Punkt verfolgte.
Der junge Mann, der noch inmitten des harten Kerns mit dem Bus zum letzten Auswärtsspiel der Vorrunde bei Union Berlin reiste und sich bei einer Partnerunternehmenvorstellung im Jugendinternat wie selbstverständlich im Gemeinsam nur nach vorne Shirt ablichten lässt, ist das vielleicht Beste, was dem Verein in der aktuellen Situation passieren konnte. Ein unbekümmerter, äußerst engagierter Spieler aus den eigenen Reihen, der mit seiner Spielweise schlicht mitreißt. In den bereits beschriebenen Zeiten hochfluktuierender Kaderzusammenstellungen sind es genau diese Geschichten, die einem noch den Glauben an die letzten romantischen Überreste im Fußball lassen. Aus dem Block auf den Platz. Und wer den Jungen nach dem Derby da so auf dem Zaun stehend gesehen (und besonders gehört) hat, die geballte Faust zum Himmel gestreckt, wer mitbekommt, wie er sich mit dem Verein und seinen Leuten identifiziert, mit erkennbarem Stolz seine Social Media Kanäle befüllt – der wird wahrscheinlich ähnlich wie ich spüren, wie ihm dabei das Herz aufgeht. Ja – Patso, das ist wirklich einer von uns.

Der letzte von uns war mit Sicherheit Eddy Prib. Und dessen Empfang zum Fernsehinterview unmittelbar vor Block 4 im Anschluss an den grandiosen Sieg gegen 96 war wohl nicht nur ein Zeichen der anhaltenden Dankbarkeit für Geleistetes, sondern konnte mit etwas Feingefühl für die Töne zwischen den Zeilen auch als unausgesprochene Sehnsucht nach Vergleichbarem gedeutet werden.

Schulterschluss

Gemeinsam! – Das neue Schlagwort, mit dem die Spielvereinigung neuerdings neben den Spielankündigungsplakaten im Stadtgebiet nicht nur das Titelbild des eigenen Facebook Auftritts verziert, ist ursprünglich der Horido’schen Feder entsprungen. Dass der Verein hierbei nicht, wie zuletzt im Rahmen diverser Kampagnen, auf eine gezahlte Agenturspielerei zurückgreift, sondern ein Aufkleber- und Spruchbandmotiv der Fanszene bevorzugt, hat sicherlich Symbolcharakter. Es stellt Wertschätzung gegenüber der Gruppe(n) dar. Es stellt im Kontext eigentlich gar nicht so sehr einen Wunsch dar – es ist schon fast ein Versprechen. Ein Versprechen, das mit Taten untermauert werden soll.
Wohlwissend: Nur wenn alle Komponenten im und um den Verein verzahnt im Einklang arbeiten, kann das Kleeblatt weiterhin seine erarbeitete Position im Fußballgeschäft verteidigen. Mindestens verteidigen.

Gemeinsam. (Quelle: http://www.spvgg-fuerth.com)

 

Der Anfang ist gemacht, die Weichen scheinen gestellt. Das Kleeblatt ist im Begriff sich aufzumachen, den unkomfortablen Trampelpfad des Rumwurstelns wieder zu verlassen. Nun liegt es auch an uns allen, die das bunte Treiben nach ihrer jeweiligen Fasson unterstützen, diesen Weg mitzugestalten:
Gemeinsam. Mit klarem Kopf, glühendem Herz und fester Überzeugung. So, dass auch unsere Jüngsten – nicht nur im Bus, auf dem Weg zum Sportunterricht – jeden Zweifler wissen lassen:
Ich bin ein stolzes Kleeblatt.

Gemeinsam nur nach vorne.

 

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