Nur Fußball.

„Es ist ja nur Fußball“. Diese Floskel dürfte wohl einem jeden von euch schon einmal an irgendeiner Stelle seines Fanlebens über den Weg gelaufen sein. Sie ist oftmals die zugleich verzweifelt wie auch gleichgültig wirkende Reaktion von höchstens alle vier Jahre an Fußball interessierten Arbeitskollegen oder entfernten Verwandten, die euch aufgrund fehlenden Verständnisses für die Empfindungswelten von Fußballfans auf diese Art und Weise zu trösten versuchen. Oder nach einer anstandshalber formulierten Mitleidsbekundung das Thema damit beenden wollen, weil sie darüber hinaus nichts beitragen können. Man rückt dabei die Sportart als solche auf der Suche nach einem Hilfskonstrukt in einen größeren, epischeren Kontext, um davon ausgehend argumentieren zu können, wie viele wichtigere Dinge es im Leben doch gibt. Klar, Familie und Gesundheit stehen immer an erster Stelle – da stimmt wohl ein jeder zu. Aber das möchte man als leidender Fan in so einer Situation weder hören, noch eingestehen müssen. Da würde man in Stuttgart oder im blauen München wohl zähneknirschend zustimmen.
Vielleicht habt ihr euch nach dem abermaligen Pokal-Aus gegen einen unterklassigen Gegner in Runde Zwei auch schon selbst in diese Floskel geflüchtet. Oder nach einer Derbyniederlage. Soll ja Leute geben, die solche Spiele verlieren. In der Hoffnung, dass man sich damit gedanklich ein wenig schneller von dem negativen Empfinden lösen kann, das Hand in Hand mit Rückschlägen durch die Spielklassen dieser und jener Länder geistert.

Es ist schon manchmal wahnsinnig, wie sehr die Spiele meines Vereins mein Stimmungsbild bestimmen können. Hier und da mal eine Niederlage – mei, das muss man im Sport in Kauf nehmen. Auch, dass es zwangsläufig mal eine schwierige Zeit geben wird. Das ist nicht zuletzt natürlich auch ein essentieller Teil dieses Spiels. Wo ein Gewinner, da ein Verlierer – das ist wahrlich keine Raketenwissenschaft. Aber die aktuelle sportliche Lage hat mir zugegebenermaßen bis zum vergangenen Spiel gegen die nun hundertzwanzigjährige Dame aus der Rheinmetropole Düsseldorf doch öfters das Stimmungsbild verhagelt. Ich gebe mir dann zwar große Mühe, die Geschehnisse auf einer rationalen Ebene richtig einzuordnen und zu verarbeiten, doch gelang mir das in den zurückliegenden Wochen teilweise nur noch bedingt. Das geht einher mit dem subjektiven Empfinden, dass der Trend zu stark gegen den rationalen Fakt des bestehenden Vorsprungs sprach, als dass man den Klassenerhalt ohne weiteres voraussetzen konnte. Wenn ich von einem verhagelten Stimmungsbild spreche, dann auch, weil mir diese Saison große Angst gemacht hat. Man konnte – und kann schlussendlich immer noch – an der eigenen Haut spüren, wie vergänglich diese ganze Fußballwelt aus der starren Sicht eines einzelnen Vereins sein kann. Mit der Gewissheit, wie es anderen Vereinen nach Abstiegen aus der zweiten Liga ergangen ist, sowie einer realistischen Einschätzung der wirtschaftlichen Bedingungen rund um das Kleeblatt, möchte man sich wirklich ungern mit den Folgen eines Abstieges beschäftigen. Und diese Angst, dass der Verein großen Schaden nehmen könnte, dass der Verein vielleicht angesichts der mit jeder weiteren Spielzeit etwas weiter auseinanderklaffenden Schere zwischen den professionellen Ligen abrutschen könnte – das beschäftigt mich zugegebenermaßen doch sehr. Oder es hat mich beschäftigt. Zu sehr hat sich das Kleeblatt als stetige Größe in meinem Leben etabliert, als dass diese Ängste spurlos an mir vorübergehen könnten. Und das schlimme daran ist – ich möchte das ja selbst auch nur bis zu einem gewissen Grad, aber Gefühle kann man eben nicht abstellen. Oder eingrenzen. Und vielleicht ist das auch ganz okay so. Auch, wenn es nur Fußball ist.

Ich würde über all das wahrscheinlich hier kein Wort verlieren, wenn ich diesen Text nicht guten Gewissens in Vergangenheitsformen schreiben könnte. Ja – das Spiel gegen die Fortuna war ein Knotenlöser. Und das in vielerlei Hinsicht. Einerseits, weil man das Stadion nach Gott weiß wie vielen erfolglosen Anläufen mal wieder mit dem guten Gefühl eines Sieges, mit einem zufriedenen Lächeln auf den Lippen, verlassen konnte. Andererseits, weil die Mannschaft auf dem Rasen den herbeigesehnten Befreiungsschlag endlich landen konnte und sich mit einer geschlossenen Willensleistung aus der sportlichen Zwangsjacke, hoffentlich auch über dieses Spiel hinaus, zu befreien wusste. Und schlussendlich auch, weil ich meine Hirnsynapsen mal wieder so sortieren konnte, dass das Wochenende für mich nicht nach den neunzig Minuten emotional gelaufen war. – Ja, man muss wohl auch konstatieren, dass die Fortuna der richtige Gegner zur richtigen Zeit war. Und auch auf eine solche Konstellation musste man in dieser Saison lange warten. Die Puzzleteile, die trotz passabler Ansätze zuletzt auch in Karlsruhe mal wieder einfach nicht ineinander passen wollten, haben sich diesmal zu einem zufriedenstellenden Motiv zusammengefügt. Da war einmal eine Gastmannschaft, die aufgrund ihrer Tabellenposition zwar ein wenig mitkickte, aber nicht die moralische Kraft aufbringen konnte, um sich vehement genug gegen den aus Fürther Sicht glücklich entstandenen Dosenöffner-Treffer zu wehren. Da war eine weiß-grün gekleidete – schmeißt diese orangene Faschingsverkleidung doch bitte endlich in die Tonne … – Heimmannschaft, die sich von Beginn an mit einer geschlossenen Leistung gewillt zeigte, das Spiel für die eigenen Farben zu entscheiden – oder um in einer beliebten Trainermetapher zu sprechen: den Bock umzustoßen. Und da war ein Publikum, das dies zu honorieren wusste und seinerseits versuchte, die doch stellenweise sicht- und spürbare Verunsicherung akustisch aus dem Ronhof zu vertreiben.
Ich gehe sogar so weit zu sagen, dass sich dieses Spiel wieder ein bisschen nach dem – man verzeihe mir diese Bemerkung – „alten Büskens-Fußball“ angefühlt hat. Vielleicht auch, weil eben jener an die Aufstiegssaison erinnernd nach den Toren über den Rasen tobte, so dass ihm das feuchte Gras noch weit nach Abpfiff während der Journalistengespräche an Hose und Sneakern klebte. Ja, auch bei ihm hatte man den Eindruck, dass sich eine Menge Aufgestautes gelöst hatte.

Torjubel. (Quelle: spvgg-fuerth.com)
Torjubel. (Quelle: spvgg-fuerth.com)

Nun sei aber an dieser Stelle noch gewarnt: Düsseldorf war nicht mehr, als ein Schritt in die richtige Richtung. Ich möchte nicht den Eindruck erwecken, dass ich mich durch diesen Sieg aller Ängste entledigen konnte. Sie sind nur nicht mehr so akut. Die Ergebnisse der südlich des Tabellenäquator beheimateten Konkurrenz hat eine Tendenz für den Ausgang des Abstiegsrennens erahnen lassen, aber man darf sich obgleich des Vorsprungs und der geringen Anzahl verbleibender Spiele nicht blenden lassen. Es ist auf der Zielgeraden noch harte Arbeit nötig. Und um diese Arbeit erfolgreich hinter uns zu bekommen, muss man noch Zählbares einfahren. Und mit „Fahren“ sind wir schon beim Stichwort – ich hoffe, dass trotz aller muttertäglichen Verpflichtungen viele Kleeblätter dem Aufruf der aktiven Fanszene folgen und den Weg nach Heidenheim finden werden. Oder um es mit dem etwas ungelenk daherkommenden Motto aus der Feder der Spielvereinigung zu sagen: #GemeinsamFürFürth!
Auch wenn es in Heidenheim eben abermals doch nur um Fußball gehen sollte.

Zweite Liga niemals ohne uns!

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