Vom Doppelkopf und krummen Dingern

Immer wieder montags.

… hat das Fürther Kleeblatt in diesen Tagen ein Heimspiel. Um auf die allerorts vorherrschende Antipathie gegenüber diesem Spieltermin als solchen aufmerksam zu werden, muss man wahrlich kein Meister der Internetrecherche oder ausgewiesener Experte auf dem Gebiet der höheren Fankultur sein. Zumeist genügt der interessierte Blick auf die Banner und Spruchbänder an den Zäunen der Kurven dieser Zweitligastädte. Sofern diese Schriftstücke denn einmal dem geschickten Schwenk des Kameramanns entgehen können und versehentlich doch im Livebild landen sollten. Worin der Fetisch der übertragenden TV Sender für die Spielvereinigung im Speziellen begründet ist, wird sich für uns geneigte Fußballkenner wohl nie erschließen. Das hält mich aber deswegen nicht davon ab auf weitere Ursachenforschung zu gehen. Meine Vermutungen möchte ich der verehrten Leserschaft dabei nicht vorenthalten.

Esther Sedlazcek findet zunehmend, dass bei Kevin Trapp (die sind doch noch zusammen, oder?) die Bälle nicht mehr so sicher in den Händen liegen, wie es schon einmal der Fall war und bandelt deswegen gerne im Siegerinterview mit dem überaus charmanten Frank Kramer an. Der ist ja schließlich auch ein hochgewachsener Recke von der Statur eines Schlussmannes. Anders kann ich mir die sich notorisch wiederholende Frage nach der weiteren Abendgestaltung von Kramer und seinen Schützlingen jedenfalls nicht erklären.

Vielleicht liegt es aber auch an der Trägheit des einfachen Fußvolks der vor Ort anwesenden Sendeanstalten, die es nicht einsehen wollen den Kabelsalat jede Woche quer durch die Republik in ein anderes Stadion zu schleifen. Abschalten, Heimgehen, Feierabendbierchen – nachvollziehbar, wie ich finde.

Oder ist das Kleeblatt einfach so sexy und entertainmentgeeignet, dass sich anhand zweifelsfreier Einschaltquotenstatistik  herausarbeiten lässt, wie gerne Fußballdeutschland beim montäglichen Nickerchen auf der Couch die Weiß-Grünen Mannen als Bildschirmschoner über den Flachbildschirm flimmern lässt. Zweite Liga knapp vorm Ameisenkrieg sozusagen.

Nein, das halte zugegebenermaßen selbst ich für unrealistisch. Es muss an den ruhmreichen Gegnern gelegen haben, die von der gütigen DFL ausgewürfelt wurden. Apropos Gegner – der kam diesmal aus dem entfernten Hamburg angereist. Der FC St. Pauli gab sich die Ehre am altehrwürdigen Ronhof und wurde dabei von einer für diese Terminierung – der Kreis schließt sich –  beachtlichen Menge eigener Fans begleitet. Schön!

Ja, Sankt Pauli. Mit diesem Gegner verbindet man dann doch die ein oder andere Erinnerung. Primär natürlich das vorletzte Heimspiel der Aufstiegssaison 2011/2012. Traumtor Schmiddi Schmidtgal, knapper 2:1 Heimsieg, der in greifbare Nähe gerückte Traum der bel étage. Viele umkämpfte Duelle am Millerntor kommen einem in den Kopf – noch mit alten Haudegen wie Stefan Reisinger. – Eigentlich immer eng, eigentlich immer torreich. Kurz: Alleine dieses Aufeinandertreffen hat mehr Zweitligageschichte, als andere Vereine in der zweithöchsten Spielklasse.

Die sportlichen Vorzeichen waren auf beiden Seiten durchwachsen. Beide Vereine mit vier Punkten auf der Habenseite, beide Vereine mit Ambitionen nach oben. Der Gewinner konnte zur Tabellenspitze aufschließen. – Das wird einem jedenfalls gerne so erzählt und ist natürlich Käse. Entscheidend in dieser Phase der Saison ist das Auftreten der Mannschaft, das Legen eines Grundsteins für den weiteren Saisonverlauf. Ob es dann schlussendlich vier, fünf oder sieben Punkte sind – ziemlich sekundär. Ja, Punkte gewinnen und einen guten Tabellenplatz erreichen sind positive Momentaufnahmen, aber man darf sich davon nicht blenden lassen.

Auf dem Platz sollte das Kleeblatt an diesem Abend zügig die Weichen auf Heimsieg stellen. Innerhalb von 120 Sekunden hebelten die Doppelkopf(ball) Experten Przybylko – ich muss jedesmal wieder überlegen … – und Korcsmar die bis dahin grundsätzlich passabel auftretenden Mannen vom Kiez aus. Wie mit Pauschpapier abgezeichnet fielen diese Tore. Zweimal Flanke von links in die Box, zweimal ein sträflich vernachlässigter Fürther mit wenig Problemen beim Annehmen des Geschenkes.  In der zweiten Halbzeit konnte Florian Trinks mit einem wunderbar gezirkelten Freistoß das Spiel entscheiden. Wenig Aufbäumen und Willen an einer Ergebnisänderung ließen die Gäste noch erkennen, die zweite Halbzeit glich eher einer ruhigen Hafenrundfahrt als dem erhofften Kräftemessen mit heruntergelassenen Visieren.

Eine Reaktion hatte Frank Kramer nach dem unglücklichen wie auch erfolglosen Auftritt in Ingolstadt gefordert. Er sollte sie bekommen. Eine konzentrierte, zielstrebige Performance konnten seine Schützlinge darbieten und damit eindeutig an den offensichtlichen Schwächen des letzten Auswärtsauftritts ansetzen. Der Weg stimmt. Es ist wie im Vorjahr eine klare Spielanlage und -idee zu erkennen, die neuen Spieler fügen sich immer besser in die Mannschaft ein. Auch der Geist im Team scheint zu stimmen. Selten sind mir in einem Spiel soviele Zeichen dazu deutlich geworden, wie am gestrigen Abend. Gegenseitges Abklatschen, Anfeuern, geballte Fäuste und Umarmungen von den Mitspielern für die Ausgewechselten auf dem Weg zur Seitenlinie. Das möchte man als Anhänger sehen!

Für Sankt Pauli tut es mir dann doch Leid. Irgendetwas scheint im Moment in deren Reihen nicht zu stimmen. An der vorherrschenden Trainerdiskussion kann ich mich nicht beteiligen, dafür bin ich als Außenstehender zu weit weg. Aber das Auftreten, wenn man grob die erste Viertelstunde ausklammert, erschien dann doch ein wenig verwundernswert. Zu keinem Zeitpunkt des Spiels hatte ich das Gefühl, dass etwas anbrennen könnte. Zu passiv, zu mutlos und schlussendlich auch zu verunsichert schien der Gast. Auch wegen der beachtlichen Anzahl von ehemaligen Kleeblättern im (Funktions-)Team würde ich keinen Protest gegen ein positiveres Abschneiden des FCSP einlegen. Einen Aufstiegsplatz müssen sie dann aber auch nicht belegen. Den dritten Platz vielleicht? Nein?

8:1 Tore und sechs Punkte. So lautet die Bilanz aus den beiden Heimspielen bis jetzt. Der Ronhof scheint wieder eine Festung zu werden, der gastfreundliche Selbstbedienungsladen der Bundesligasaison gerät zunehmend in Vergessenheit. Und da Fußballer bekanntlich auch gerne mal abergläubisch sind, kann ich zähneknirschend selbst den kommenden Besuchen von Esther S. etwas Gutes abgewinnen. Wer weiß, vielleicht freut es ja auch den guten Herrn Kramer ein bisschen.

Vorwärts, Kleeblatt!

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