#29 || FC Ingolstadt – SpVgg

Ergonomie

Ein erstrebenswertes Montagsspiel durften unsere Mannen da also einmal mehr bestreiten. Das Topspiel des Spieltages. Zur besten Zeit. Zur besten Sendezeit für das geliebte Pay-TV. Wir sind doch alle große Sky-Freunde und ziehen den Fernseher dem Stadionbesuch vor, oder? Eben.

Trotz der bescheuerten Anstoßzeit um 20:15 Uhr an einem Montagabend haben sich also über 2000 Fürther auf den Weg in die bayrische Autohauptstadt gemacht. Die offizielle Zuschauerzahl liegt bei knapp über 7000 Besuchern. Heimspiel in Ingolstadt. Irgendwie ein Beleg für eine positive, optimistische Grundstimmung innerhalb der Anhängerschaft. An der Derbystimmung kann es zumindest nicht gelegen haben. Aus einem einfachen Grund: Es ist kein Derby. Egal, welche Marketingsprüche die Medien raushauen. Fürth und Ingolstadt verbindet nichts. Wenn es nach mir ginge nicht einmal das Bundesland.

Eckdaten

Man sollte also davon ausgehen, dass bei diesem Spiel nichts schieflaufen kann. Die SpVgg reist mit einem gefühlt gewonnenen Auswärtsspiel beim Konkurrenten aus Hamburg an und hat noch dazu zahlreiche Unterstützung im Rücken. Ingolstadt irgendwie im Tabellenniemandsland. Klarer drei Punkte sollte man denken. Dann aber war das Hinspiel in Fürth, das 0:1 verloren ging und bis heute einen der schwächsten Auftritte in dieser Saison darstellt. Noch dazu spielt der FCI seit dem Trainerwechsel zur Mitte der Hinrunde eine sehr starke Truppe. Abzulesen war das nicht zuletzt am 1:0 Achtungserfolg gegen den Tabellenführer aus der Domstadt.

Die SpVgg tritt personell wie zuletzt bei St. Pauli an. Der gelbgesperrte Weilandt wird vom nach Infekt wieder genesen Stieber ersetzt. Die nominell wohl beste Elf des Kaders wird aufgeboten. Taktisch ergibt sich damit das gewohnte 4-4-1-1. Auf der Gegenseite steht für mich etwas überraschend der Ex-Fürther Stefan Lex in der Startelf, der ein Jahr bei der SpVgg war, aber dabei nicht über Einsätze in der zweiten Mannschaft hinausgekommen ist und in der Winterpause wechselte. Ingolstadt mit einer leichten Systemänderung in einer 4-2-3-1 Grundformation, das im eigenen Ballbesitz oft einem 4-3-3 glich.

Zündkerze

Das Spiel geht los. Frank Kramer wird nach dem Spiel in einem Interview sagen, dass es sehr früh eine Aktion gab, bei der sich ein paar erschrocken haben und einige Minuten gebraucht haben, um diese Aktion abschütteln zu können – sinngemäß. Ich kann mich, ohne das Spiel noch einmal gesehen zu haben, überhaupt nicht an so eine Aktion erinnern. Aber Fakt war: Der Start ging richtig nach hinten los. Ingolstadt ist sofort richtig gut in der Partie, gewinnt Zweikämpfe, wirkt aggressiv und griffig. In den ersten 12 Minuten hat der FCI dadurch einige Torabschlüsse, teilweise sogar Großchancen. Die SpVgg wirkt fahrig im Spielaufbau und absolut nicht konzentriert. Spielen die Nerven der jungen Mannschaft angesichts der Ergebnisse der Konkurrenten einen Streich? Es sieht fast so aus. Die einfachsten Bälle gehen verloren, Pässe über wenige Meter landen beim Gegner oder im Seitenaus. Fuck. Hoffentlich nicht wieder ein frühes Gegentor. Wie im Hinspiel. Nein – wir müssen dreifach Punkten. Ein Zeichen setzen, die Konkurrenz auf Distanz halten. Und genau dieses „Müssen“ scheint den Spielern Blei in die Schuhe gegossen zu haben.

Bis Mitte der ersten Hälfte murkst man sich so durch. Man muss zu diesem Zeitpunkt wirklich von Glück reden, dass es nicht schon ein, zwei oder wenn es blöd läuft sogar dreimal hinten geklingelt hat. Es hapert an allem. Zweikampfverhalten, Spielkontrolle, Körpersprache. Die beiden Stürmer hängen total in der Luft, finden keine Anbindung. Die Mittelfeldzentrale hat sichtliche Mühe einen Zugriff auf die aufmerksamen Gegenspieler zu bekommen. Einzig nach geschickten Verlagerungen gelingt es einige Male die Flügelspieler in Szene zu setzen. Diese Aktion enden dann aber meist mit einem Ballverlust, Fehlpass. Nichts zu sehen von der gelobten Spielanlage und dem tollen Umschaltspiel der Weiß-Grünen Mannen.

Bitte wenden

Es läuft alles so konträr zum letzten Auswärtsspiel gegen St. Pauli. Absolut nicht zu erwarten. Man möchte der Mannschaft zureden können – „Ihr könnt es, traut euch. Habt keine Angst.“. Sowas in die Richtung. Schlussendlich überleben wir die erste Halbzeit unbeschadet. Brosinski hat nach Doppelpass mit Djurdjic sogar die Chance auf den Führungstreffer. Ok – steht immernoch 0:0. Zweite Halbzeit wird das Ding in die richtigen Bahnen gelenkt. Wäre ja noch schöner – dass der Tabellenzweite sich hier vorführen lässt.

Die zweite Halbzeit zeigt dann zwar nicht die 180 Grad Wendung des Spiels, aber immerhin eine Spielvereinigung, die etwas konsequenter zu Werke geht. Leider bleibt es aber insgesamt eine sehr fahrige Partie, die jetzt auch von den Gastgebern nicht mehr auf sehr hohem Niveau geführt wird. So lässt sich eigentlich die gesamte Spielhälfte auf eine Aktion 12 Minuten vor Spielende reduzieren.

Vollbremsung

Eine Hereingabe von der linken Seite erreicht Pledl durch geschickten Laufweg zwischen dem Elfmeterpunkt und der Fünfmetermarkierung. Roger kommt einen Schritt zu spät und fällt Pledl von hinten um. Klarer Strafstoß. Für mich sogar ein Platzverweis, da grobes Foulspiel von hinten ohne Chance auf Spielen des Balls. Sei’s drum. Elfmeter also. Djurdjic schnappt sich sofort nach dem Pfiff den Ball und signalisiert unmissverständlich, dass er Schießen will. Obwohl er den letzten Elfmeter auswärts in Dresden getroffen hatte, habe ich kein gutes Gefühl. Der FCI Torwart Özcan hat die letzten drei Strafstöße alle pariert und bei uns geht irgendwie jeder zweite nicht rein.

Und so kommt es, wie es kommen musste. Erster Schuss: abgewehrt – schlecht ausgeführt. Nachschuss: abgewehrt. Nachschuss des Nachschusses: abgewehrt.

Antiblockiersystem

Unglaublich. Fuck. Ich nehme die Situation wie in Zeitlupe wahr. Die rotgekleideten Spieler jubeln und springen durch den Strafraum, nachdem der Ball geklärt ist. Das darf doch nicht wahr sein. Wie kann man so eine Chance liegen lassen? Unmöglich. Verhext. Für einen kurzen Moment fühlt es sich an, als ob genau in diesem Moment der Aufstieg gescheitert wäre. Mit diesem einen Schuss. Nein – mit diesen drei Schüssen. Positiv denken – wir haben nichts verloren!

Das restliche Spiel nimmt seinen Lauf, ohne noch etwas Erwähnenswertes bereitzuhalten. Sicher, auch Ingolstadt hatte durch Lex kurz nach der Pause eine richtig, richtig dicke Chance, aber – Wie kann man DAS Geschenk liegen lassen? Das sprichwörtliche Silbertablett.

Ich möchte Djurdjic keinen großen Vorwurf machen. Sofort nach dem Elfmeterpfiff hat er sich den Ball geschnappt und damit signalisiert – yo, ich mach‘ die Bude! Mühsam zu diskutieren, ob und wer es vielleicht besser gemacht hätte. Jeder kann Elfmeter treffen, jeder kann Elfmeter versemmeln. That’s just how it is. Aber Fuck – das waren derartige Big Points, die man damit liegen gelassen hat. Das Spiel lag auf dem Silbertablett vor uns und wir haben nicht rücksichtslos zugegriffen, sondern anstandshalber den letzten Bissen liegen lassen. So quasi.

Frontscheinwerfer

Unter dem Strich bleibt also erneut auswärts ein Punkt stehen. Auf Dauer irgendwie ernüchternd, aber im Endeffekt dann eben doch ein Punkt mehr, als Paderborn im Heimspiel einfahren konnte. Man bleibt einerseits ungeschlagen, kann sich auf der anderen Seite aber nicht richtig von der Konkurrenz absetzen.

Was mir aber viel mehr Sorgen macht, ist die spielerische Leistung – oder vielmehr Entwicklung – der letzten Spiele. Für einen Tabellenzweiten ist das schlicht und ergreifend zu dünn. Der Spielaufbau hakt gewaltig, vorallem, wenn man vom Gegner unter Druck gesetzt wird. Das Umschaltspiel wirkt nicht abgestimmt. Die offensive Durchschlagskraft geht im Moment komplett flöten, da sich die Offensivbemühungen im Grund auf Aktion der Außenverteidiger beschränken. Würde die Standardstärke diese Schwachstellen nicht kaschieren (10 der letzten 15 Tore sind nach Standardsituationen gefallen), wäre der Aufstieg eventuell aktuell nur noch ein Randthema. Es muss noch viel getan werden. Insbesondere für den zeitnahen Vergleich mit dem direkten Konkurrenten aus Padernborn, welche uns gerade in der Defensive alles abverlangen werden.

Sechster Gang

Ich hoffe auf eine Reaktion der Mannschaft im anstehenden Spiel gegen Aue. Ich möchte von Beginn an sehen, welche Mannschaft auf dem zweiten Tabellenplatz steht. Ich möchte sehen, wer aufsteigen möchte. Ich möchte sehen, dass die Leistungsträger vorweg marschieren. Und ich möchte sehen, dass Djurdjic trifft. Für ihn und für uns.

Vorwärts, Kleeblatt!

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