Fehlzündung.

Und wenn die Verantwortlichen ihren Mannschaften noch so gebetsmühlenartig großes Engagement und tolle Mitarbeit in den gängigen Trainingslagerdestinationen attestieren, ist man nun mal trotz noch so akribischer Feinjustierung von Prozessen und Automatismen nie davor gefeit: Der klassische Fehlstart, beim Kleeblatt mittlerweile bitterer Fakt geworden. Nach zwei Spieltagen steht auf der Haben-Seite noch die große, bedrohliche Null, welche aktuell den dominanten Faktor in der weiß-grünen Gefühlswelt darstellt. Vorausgegangen waren zwei frustrierende Auftritte gegen den weltmeisterlich verstärkten Absteiger Darmstadt und die gewohnt nichtssagende Bielefelder Arminia. Der standesgemäße Zweitrundeneinzug gegen den unterklassigen Großmaulverein aus der Pfalz konnte das Stimmungsbild zwar leicht entspannen, aber sicher nicht merklich aufhellen. Zu unsicher scheint man noch zu sein, wo die verlorenen Partien auf der Skala zwischen Unvermögen, Ungerechtigkeit und Pech einzuordnen sind.

I like to wait to see how things turn out …

Der Verein hat über den Sommer aus meiner Sicht die richtigen Impulse gesetzt. Vor einigen Monaten monierte ich in meinen Ausführungen noch das ausbleibende Vorleben höherer Ambitionen. Die Spielvereinigung, mit ihrem weitestgehend zurückhaltenden Umfeld und der vergleichsweise übersichtlichen Fanschar, etablierte sich doch zunehmend zur angenehmen Komfortzone für heranwachsende wie auch gestandene Profis. Eine Presse, die abseits des miesepetrig sensationsjagenden Boulevards selten den Finger mit Nachdruck in die Wunden legt. Eine Anhängerschaft, die ihre Enttäuschung zumeist in Facebook-Kommentare mit kurzer Halbwertszeit oder grummelige Resignation wandelt. Und wo man dann so ein bisschen vor sich hin wurstelt, brennt halt auch keine von Ehrgeiz und Siegeswillen angefachte Stichflamme auf den Fußballplätzen der Liga. Chronische Formlöcher bei eigentlichen Leistungsträgern, stagnierende Entwicklung bei Nachwuchskräften, saftlose Darbietungen im Kollektiv und Laissez-faire runden dann häufig das Bild des schwankenden Leistungsvermögens ab. Man könne es ja, nur halt nicht immer. Und nicht überall. Oder so.
Sicherlich – man kann besonders junge Talente in Verhandlungen mit der ruhigen, unaufgeregten Fürther Entfaltungsmöglichkeit locken. Aber ob nicht ab und zu so eine Erdung per saftigem, medialem Tritt in den Hintern doch eine Fokussierung auf das Wesentliche herbeiführen könnte, darf man wohl annehmen.

… If you apply some pressure!

Janos Radoki ließ dann zum Ende der abgelaufenen Saison aufhorchen, indem er vollmündig und beinahe nebenläufig ins verbale Angriffshorn blies. Angreifen wolle man, hoch in der Tabelle. Zwar etwas anders formuliert, inhaltlich jedoch kaum anders interpretierbar. Die vage Hoffnung, dass umworbene Leistungsträger vom flugs neuerfundenen Selbstverständnis überzeugt ein weiteres Jahr am Ronhof bleiben könnten, wurde leider erneut von der wiederkehrenden Gewissheit vermeldeter Transfers verdrängt. Aber trotzdem – es kann nie ein Fehler sein, wenn ein in der Liga etablierter Verein seine berechtigten Ansprüche auch kommunikativ geltend macht. Und wenn es, die gegebenen Voraussetzungen hinsichtlich eigenem Leistungsvermögen und ligainterner Konkurrenzsituation mal ausgeklammert, nur dazu dienen sollte, dem eigenen Personal ein vorgefertigtes Alibi für spielerische Verfehlungen zu nehmen. Oder eben, um Transferinteressierten der Kategorie Omladic oder Wittek einen Wechsel ins hungrige Fürth schmackhaft zu machen.
Gemeinsam Großes schaffen – prominent platziert grüßt der neue Slogan derzeit vom Rasen des Trainingszentrums, den Wänden der Geschäftsstelle und den vereinseigenen Social Media Kanälen. Klar ist: Nicht zuletzt zur Steigerung des Dauerkartenabsatzes sind derartig verklausulierte Versprechen stets beliebt. Das Stadion und offensichtlich besonders die neue Haupttribüne muss schließlich gefüllt werden, die letzten Spielzeiten zeigten, dass der schnöde, relativ ambitionslos daherkommende Zweitligafußball die Fürther Fußballinteressierten nicht mehr in Scharen ins Stadion zu locken vermag. Erfolg bleibt der größte Zuschauermagnet.

Die Krux an der Geschichte lässt sich nun leider bereits nach zwei Spieltagen feststellen. Der breiten Anhängerschaft wurde nun eine Erwartungshaltung eingeimpft, der man tunlichst in naher Zukunft standhalten sollte. Zumindest ungefähr standhalten sollte.
Irgendwo zwischen dem versuchten Setzen einer sportlichen Benchmark und dem offensiven Werben um zusätzliche Zuschauer im Ronhof, hat man der noch in der Findungsphase befindlichen Truppe eine Hypothek auferlegt: Ihr müsst gewinnen. Ihr müsst attraktiven Fußball spielen, denn das erwarten die Leute jetzt von euch. Und ihr müsstet dieses Level schon relativ bald erreichen, schließlich ist die positiv vorfreudige Grundstimmung bei ausbleibenden Ergebnissen auch schnell wieder verflogen. Die zarte Pflanze der Euphorie, die man über den Sommer hinweg mit guten Transfers, der Rückkehr des Kleeblatts in Internet und Fernsehmedien und der eleganten neuen Tribüne aufbauen konnte,  flacht bereits jetzt wieder deutlich spürbar ab. Ein Umstand, der nicht für reißenden Absatz am Tickethäuschen sorgen wird.
Paart sich in dieser Situation dann die jugendliche Unerfahrenheit noch mit Formlöchern und Verletzungsausfällen der Korsettstangen, wird eine jede Mannschaft der Liga zum anspruchsvollen Prüfstein.
Nun ist es nicht per se so, dass der oft reflexartig abgesprochene Wille fehlen würde. Es sind die Mittel, die noch nicht gewinnbringend genug eingesetzt werden. Durchsetzungsvermögen, Zielstrebigkeit, Klarheit.
Unweigerlich fühle ich mich ansatzweise an den Anfang des Endes der Ära Ruthenbeck erinnert. Auch er versprach vieles, untermauerte Ambitionen vorwiegend medial und blieb im Nachhinein über einen längeren Zeitraum des Beweises schuldig, diese Ambitionen auch unterfüttern zu können. Janos, man wünscht es sich und ihm sicherlich nicht ein ähnliches Schicksal, wird beweisen müssen, dass er mit seiner Mannschaft dieser selbstauferlegten Bürde standhalten kann. Dass das angestrebte Stärken der eigenen Identität als Aus- und Weiterbildungsverein auch tatsächlich mit dem Ziel der tabellarischen Spitzenposition vereinbar sein kann.

Quelle: spvgg-fuerth.com

Irgendwo findet man sie nach der üblichen Recherche auf den gängigen Webseiten dann doch immer, etwas versteckt zwischen all den Abstiegskampfeinläutern und Berufsdauerpessimisten. Die Relativierer. Fähig, nach dem Gegenüberstellen von Gutem und Schlechten ein realitätsnahes Fazit zu ziehen.
Der Tenor ist dann oft: Dass die Saison noch jung ist und das Bilden eines Urteils über das finale Leistungsvermögen der Mannschaft aktuell noch viel zu verfrüht wäre, sollte jedem – wenn er die Situation nüchtern betrachtet – bewusst sein. Der Verein bewegt sich, inklusive seiner Anhänger, aktuell wohl auf einen Scheideweg zu. Einen Scheideweg, der Fingerspitzengefühl erfordern wird. Einerseits kann man von der umgebauten, in Teilen sehr jungen Mannschaft keine unmittelbar eintretenden Wunderdinge erwarten. Es wird Rückschläge geben, man wird Spiele verlieren. Nicht, weil man so viel schlechter ist, sondern weil die Gegner cleverer und abgezockter auftreten. Es wird Überraschungen geben. Nicht, weil man im Vergleich zum Gegner so viel besser spielt, sondern weil Einsatz belohnt wird. Und weil Einsatz und Leidenschaft in dieser fußballerisch überschaubar gesegneten Liga die wesentlichen Attribute sind, muss man das Team auch besonders daran messen. Messen können und messen dürfen. Radoki erkannte diesen Missstand, legt nun besonderes Augenmerk auf die individuellen Duelle mit den Gegenspielern.
Gleich morgen kann das Kleeblatt beweisen, was es aus den Niederlagen gelernt hat. Ein Aufsteiger dürfte dem Team auswärts genau das richtige abverlangen. Soll sich das Kleeblatt endlich wieder vom Rumwursteln befreien, müssen Ergebnisse folgen. Wohlgemerkt Ergebnisse, keine Wundertaten. Mehr Fakten, weniger Ideal.

What happens when you lose everything?
You just start again, you start all over again.

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