Derby: Round two – Fight!

Heute Abend soll es also soweit sein. Es steht einmal mehr das fränkische Derby auf dem Plan. Entgegen meiner bisherigen Beiträge werde ich diesmal bereits vor dem Spiel meine Gedanken niederschreiben.

 

Schnee von gestern

Begonnen hat die neue Spielzeit für das Kleeblatt mit einem relativ unspektakulären 1:1 Unentschieden in Bochum. Aufgrund der im Vergleich zur umgebauten VfL-Mannschaft vermeintlich höheren Eingespieltheit der weiß-grünen Mannen hatte ich insgeheim auf einen positiveren, souveräneren Ausgang gehofft. Am Ende stand eine zumindest ordentliche erste Halbzeit mit zwei kuriosen, durch Abwehrfehler begünstigten Toren und eine wirklich schwache zweite Halbzeit mit vielen Schwimmeinlagen der Defensive auf dem Zettel. Sei’s drum – ein Punkt beim wiedererstarkt wirkenden Vfl ist ein passabler Start.

Nach diesem emotional eher im Minusbereich anzusiedelnden Spiel – nichts gegen euch, liebe Bochumer! – kommt es nun also zum verspäteten Saison Kickstart. Von 0 auf 100 in weniger als 90 Minuten. Die 257. Auflage des fränkischen Derby. Einst das Duell der beiden besten Vereine Deutschlands, wird dieses Spiel in seinen beiden nächsten Auflagen nur in der zweithöchsten Spielklasse stattfinden. Eigentlich schade, denn einen Erstligarahmen hat dieses Spiel stets verdient. Wie immer werden Prestige, Ehre und die Bürohoheit für Anhänger beider Fanlager auf dem Spiel stehen. Fünf Euro in’s Phrasenschwein für’s Lüften dieses Geheimnisses: Es geht um mehr, als nur drei Punkte.

 

Sogenannte Fans

Menschen, die neu und unvoreingenommen in die Region kommen, brauchen nach kürzester Zeit keine Aufklärung mehr über die herrschende Rivalität zwischen den Städten Fürth und Nürnberg und deren Bewohnern – erst kürzlich anhand meiner neuen Nachbarn einmal mehr bestätigt worden. Viel zu sehr ist diese in Form von Sticheleien und sarkastischen Äußerungen im Alltag präsent. Diese Entwicklung wird in den letzten Jahren, federführend forciert von den Nürnberger Ultragruppen, in eine für mich beängstigende Richtung getrieben. Regelmäßig kommt es – meist fernab medialer Berichterstattung – zu Übergriffen, Drohungen und Hetzjagden gegen Gruppen und Einzelpersonen der Fürther Fanszene. Auch der feige Diebstahl von Doppelhaltern, Zaun- und Schwenkfahnen aus einem Lagerraum ist in diesem Zusammenhang zu nennen. Garniert wird das gerne mit geisteskrank anmutenden Slogans („Derby is war“, „Euch zu jagen ist unser Leben“) und dem beinahe so kreativen, wie gleichzeitig peinlichen „Anti FÜ“-Kult.

Ich bin sehr froh, dass sich unsere Fanszene davon so deutlich abhebt. Sicher gibt es auch auf Fürther Seite gerne den ein oder anderen abfälligen Gesang. Unter dem Strich steht aber die Liebe zum eigenen Verein stets an erster Stelle und wird dabei nicht durch die Abneigung zu einem anderen definiert. Unabhängig, ob Derby ist oder nicht.

Ich bin mir nicht sicher, in welche Richtung sich dieser blanke Hass entwickeln wird und hoffe, dass es nicht erst zu einem bösen Erwachen kommen muss, bevor ein Umdenken – auch auf öffentlicher Seite – stattfindet.

Man kann nur spekulieren, worin dieses Verhalten begründet ist. Aus meiner Sicht spielt auch die in den letzten Jahren deutlich gestiegene Konkurrenzfähigkeit des vermeintlich kleinen Nachbarn eine Rolle. Jenseits der Stadtgrenze hat man insgeheim Angst, dass das Kleeblatt dem ach so Ruhmreichen mittelfristig den Rang abläuft. Und das sowohl sportlich, wie auch imagetechnisch. Wo der FCN akut in die Zweitklassigkeit abdriftet, steht das Kleeblatt als mittlerweile Spitzen-Zweitligaverein da und hat auch die unsägliche „Unaufsteigbarkeit“ überwinden können. Wenn man es schaffen wird, diesen Weg weiterzugehen, ist ein erneuter Aufstieg in die Eliteklasse keine Unmöglichkeit. Die letzten Derbysiege tragen ebenfalls ihren Teil dazu bei. Das scheint sehr am Stolz der Nürnberger Anhänger zu kratzen.

 

Advantage Fürth?

Aber Derby ist schlussendlich ja auch immer ein bisschen das, was man selbst daraus macht. Ich hoffe auf ein spannendes, nicht durch den Schiedsrichter entschiedenes Spiel. Auf eine Gänsehaut verursachende Atmosphäre. Auf eine gelungene Durchführung der geplanten Choreographie. Auf Spieler, die die nötigen Derbytugenden und die entsprechende Einstellung auf den Platz bringen. Und natürlich auf einen Derbysieger SpVgg Fürth.

Auch, um dem armen Ilir Azemi in seiner aktuellen Situation wenigstens ein bisschen Freude bereiten zu können. An dieser Stelle von Herzen alles Gute, Ilir!

Für das Spiel sehe ich – mit aller nötigen, vorgespielten Objektivität – die SpVgg leicht im Vorteil. Aus einem einfachen Grund – es stehen mehrere Spieler auf dem Feld, die wissen, wie Derby geht (Ja, Schäfer und Pinola, ich weiß. Trotzdem). Die wissen, was auf einen zukommt. Ich glaube, dass solche Qualitäten bei emotionalen Spielen mehr Vorteile bringen, als irgendeine spielerische oder individuelle Klasse.

 

In diesem Sinne – auf zum Sieg, Kleeblatt!

 

2 Gedanken zu “Derby: Round two – Fight!”

  1. Ich bin in der glücklichen Lage, dass es bei den letzten Derbys im Büro so zuging wie es sein sollte: Man frotzelt sich, man zieht sich auf, man geht in die unterschiedlichen Blöcke um das Spiel anzuschauen, freut/ärgert sich über das Ergebnis und geht hinterher zusammen ein Bier trinken. Denn auch wenn es DAS Fußballspiel des Jahres ist, ist und bleibt es halt auch nur ein Fußballspiel. Die von dir beschriebene Aggression ums Derby nehme ich auch wahr und ich bin ähnlich besorgt. In meinem Freundeskreis, sowohl Färdder als auch Nämbercher, wird so ein Verhalten aber schlicht nicht geduldet.

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    1. Hey Gnu,

      absolut richtig – wenn man in der Region augewachsen ist, wird man zwangsläufig über Familie, Freunde und Arbeit stets auch Anhänger des jeweiligen, anderen Vereins kennen. Und dementsprechend respektvoll sollte man auch miteinander umgehen können. Im Kindesalter war mein bester Freund FCN-Fan und ich Kleeblatt-Anhänger. Wir sind regelmäßig mit unseren Familien zusammen zu den Spielen gefahren, haben uns am Stadion in die Blöcke aufgeteilt und anschließend wieder getroffen. – Das geht ja heute garnicht mehr! Sehr schade, aber die Spitze der aktuellen Entwicklung …

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