#27 || SpVgg – Fortuna Düsseldorf 4:1

Der 27. Spieltag wartet also mit dem Gegner Fortuna Düsseldorf auf. Ein Verein, mit dem ich bisher nicht wirklich viel verbinde, außer engen Spielen, die gefühlt immer an die Fortunen gingen. Emotional bin ich bei diesem Spiel also nicht übermäßig angespannt. Und das ist gut so. Ich tendiere dazu, mich wahnsinnig in Spiele hineinzusteigern – auch vor’m Fernseher. An dieser Stelle schöne Grüße an die Nachbarn.

Autokorso

Eigentlich nervt mich das Spiel schon, da hat es noch überhaupt nicht angefangen. Die DFL war der Meinung, dass man den Zweitligaspieltag durchaus mal auf die Anstoßzeit 17:30 Uhr ansetzen könnte. Großartige Idee! Ist ja nicht so, dass die Leute tagsüber noch andere Sachen zu erledigen haben.

So geht es auch mir. Nachdem ich im ausreichenden Maß meiner Bildung nachgekommen bin (um es mal nicht Zeit absitzen zu nennen), haste ich also zu den Öffentlichen, um einigermaßen pünktlich im Stadion anzukommen. Natürlich fahren mir sowohl Straßenbahn, als auch U-Bahn vor der Nase weg. Ich bin spät dran – könnte eng werden. Schnell den Schal eingepackt und ab in’s Auto. 50 Minuten noch – machbar. Normalerweise bin ich zu dieser Zeit schon im Stadion.

Nein – der Berufsverkehr macht es nicht möglich. Viertel Stunde vor Anpfiff. Der angestammte Parkplatz ist überfüllt, jeder Grünstreifen zugeparkt. Ich fühle mich an Bundesligazeiten erinnert. Auto schnell auf der Sperrfläche abgestellt. Scheiß drauf – Heimsiege kosten halt manchmal ’nen Zehner. Jetzt hurtig in den Block. Die Einlaufmusik dröhnt aus den Boxen, als ich mir meinen Weg über die Treppen zum Block bahne. Anstoss. Der Block ist rappelvoll, notgedrungen bleibe ich direkt am Blockeingang stehen. Nicht übel, mir gehen meine (Block-)Nachbarn in letzter Zeit eh auf die Nerven.

Auf’m Platz

Ich brauche irgendwie ein paar Minuten, um selber in’s Spiel zu kommen. Andere Perspektive, andere Leute, Hunger. Alles fühlt sich heute ein wenig anders an, als sonst.

Die Spielvereinigung macht sofort einen griffigen Eindruck. Kein Ball wird verloren gegeben, bissige Zweikämpfe, Nachsetzen. Spielerisch geht noch nicht viel, aber die Körpersprache gefällt mir. Man hatte sofort den Eindruck, dass heute vom Start weg Gas gegeben werden sollte. Anscheinend hat man aus anderen Spielen gelernt, in denen man erst die letzten zehn Minuten richtig in die Partie investiert hat.

Auf der anderen Seite eine Fortuna, die – zumindest auf mich – von Beginn an einen seltsamen Eindruck machte. Viele Fehlpässe und Schludrigkeiten, kaum positive Körpersprache oder Emotionen. Wirkte alles langsam, vorhersehbar und unkonzentriert. Fast immer einen Schritt langsamer. Nur Benschop hat mir gefallen, der sich bemüht hat, sich immer wieder von seinen Gegenspielern zu lösen, zwischen den Innenverteidigern und Sechsern anspielen zu lassen und mit schnellen Bewegungen und Tempo Torgefährlichkeit zu erschaffen. Bezeichnend, dass eben jener auch den Ehrentreffer für die Fortuna erzielte. Der Rest der Fortuna blass, besonders die Mittelfeldzentrale schien keinen Zugriff auf das Spiel zu bekommen. Zudem beide Außenverteidiger sehr früh mit einer gelben Karte ausgestattet.

Zum Spiel kann man ansonsten nicht besonders viele Worte verlieren. Die Fortuna spielt ihren Alibifußball – geht ja auch um nichts mehr – und die SpVgg will aufsteigen. Kurz vor der Pause bricht Azemi den Bann und staubt eine verlängerte Ecke am zweiten Pfosten ab. Nach der Pause legt Azemi nach schöner Einzelleistung und Distanzschussschlenzer das Zweite drauf. Brosinski erhöht per 30 Meter Schuss – verdeckt für den Torhüter – auf 3:0. Das Spiel nimmt seinen erwartbaren und erhofften Verlauf, auch wenn Benschop für die Fortuna zwischenzeitlich auf 3:1, begünstigt durch einen leichten Platzfehler, verkürzen kann.

Stets bemüht

Auf unserer Seite eine Reihe starker Leistungen an diesem Abend. Brosinski mal wieder mit einem sehr starken Auftritt. Defensiv alles im Griff und offensiv wieder sehr bemüht. Hat sich mit seinem Tor zum 3:0 für seine – mit Ausnahme des Dresden-Spiels – zuletzt starken Auftritte mal wieder belohnt. Gerade wenn Stieber vor ihm auf die Halbposition im Mittelfeld ausweicht, muss Brosinski oft alleine den Flügel bearbeiten. Gibt glaube ich wenig Außenverteidiger in der Liga, die so eine taktische Ausrichtung derartig souverän und trotzdem offensivfreudig spielen können. Nur an der Präzision der Flanken kann er noch arbeiten – aber hey, wir sind ja nicht Bayern München.

Auch Fürstner wieder gewohnt umsichtig und emsig im Mittelfeld. Läuft Löcher zu, erobert Bälle und sorgt im Spielaufbau für Struktur und Präsenz. Des Weiteren möchte ich Pledl einmal mehr lobend erwähnen. Auch wenn ihm aus dem Spiel heraus nicht alles gelang, gefällt mir seine Spielweise. Er ist robuster geworden (was der Junge Muskulatur zugelegt hat …) und wirkt in seiner Spielweise bissiger. Reibt sich immer wieder in Zweikämpfen auf und hat gegen die Fortuna einige Bälle in der Rückwärtsbewegung erobert. Offensiv muss er in seinen Aktionen noch klarer und zielstrebiger werden. Vor ein paar Wochen hatte ich noch Angst, dass man sein Talent verschenkt und er im Sommer den Verein verlässt. Jetzt bin ich wirklich froh, dass Baba eine Pause bekommt und Pledl derartig davon profitieren kann. Hat auf jeden Fall eine Menge Potential. Auch für höhere Aufgaben meiner Meinung nach.

„Fuß-ball-gott“

Und dann natürlich noch Azemi. Vor einigen Spielen noch vom eigenen Publikum mit Pfiffen in die Kabine verabschiedet (…), avanciert er zum (hoffentlich) großen Helden des Aufstiegskampfes. Er bringt in meinen Augen vieles mit, um ein richtig guter Stürmer zu werden. Den Körper, die Technik, den Torriecher. Leider tendiert das Fürther Publikum zur Ungeduld. Man darf nicht vergessen, dass er gerade seine erste Saison als „Stammspieler“ absolviert und aufgrund seines Alters auch noch einigen Schwankungen unterliegt. Den großen Unterschied macht dabei aber für mich die Rückkehr von Djurdjic: Azemi ist ein Stürmer, der aufgrund seiner Spielweise von einem Nebenmann profitiert, für den er Räume reißen kann und der von seinen Ballbehauptungen – vorallem hoher Bälle – in Position gebracht werden kann.

Dienstag hatte man nach seinen beiden Toren das Gefühl, dass ihm alles gelingen möchte. Mit Selbstvertrauen in jedes Dribbling gegangen, aus jeder Position auf das Tor geschossen. Ich hoffe, er kann diese Form und dieses Selbstvertrauen mit in die restlichen Spiele nehmen. Denn dann wird er eine Waffe.

Gemaule

Leicht abfallend in der Leistung habe ich eigentlich nur Stieber gesehen, dem einmal mehr aus dem Spiel heraus nichts zu gelingen schien. Hatte einige Chancen zu glänzen, blieb aber regelmäßig an seinem Gegenspieler hängen oder verlor den Ball. Auf der anderen Seite ist Stieber eben ein Spieler, den man trotzdem nicht aus dem Spiel nehmen sollte. Die Saison hat mir bisher immer wieder gezeigt, dass er auch an schlechten Tagen oft den Unterschied machen kann, weil er eben diesen einen Ball, häufig auch einen Standard, zum Mann bringt und das Spiel entscheidet. So in der Art auch an diesem Tag, als er den schlampig abgewehrten Ball von Fabian Giefer zum 4:1 über die Linie bugsierte.

„Oh wie ist das schööön“

Zum ersten Mal in dieser Saison konnte ich wieder das Gefühl der Aufstiegssaison verspüren. Die Euphorie keimt wieder auf. Das durchgängige, leichte Grummeln im Stadion scheint allmählich wieder einer Vorfreude auf das Kommende zu weichen und sich in eine gespannte Vorfreude zu wandeln. Abzulesen ist das in meinen Augen auch an der Zuschauerzahl. Sicherlich können die konstanten 10.000 Zuschauer der letzten Wochen nicht das Ende der Fahnenstange sein. Trotzdem sehe ich das als Erfolg an. Auch, weil es augenscheinlich nicht mehr so sehr vom Gegner und der Zahl der Auswärtsfans abhängig ist. Vor einigen Jahren wäre eine solche Zahl, insbesondere zu einer derartig bescheuerten Anstoßzeit, totale Utopie gewesen. Das Pflänzchen gedeiht. Aber man muss es eben pfleglich behandeln und geduldig sein. Um die Bude konstant voll zu bekommen scheint weder die Fanbase groß genug zu sein, noch die Attraktivität der zweiten Liga groß genug zu sein. Auch die Spieltagsslots mögen noch ihren Teil dazu beitragen. Auch aus dieser Sicht wäre ein erneuter Aufstieg in die Eliteklasse sicher eine gewinnbringende Angelegenheit. Auch, wenn dies wohl wieder nur in einer Stippvisite enden würde.

Übrigens habe ich keinen Strafzettel bekommen. Es war eben doch alles irgendwie anders, als sonst.

 

Was kommt

Für die SpVgg gilt es nun gegen St. Pauli nachzulegen. Schwieriges Spiel, aber wer aufsteigen will, muss auch dort mindestens einfach punkten. Wie die letzten Auswärtsspiele in Hamburg wird es mir auch diesmal nicht möglch sein persönlich im Stadion zu sein. Freitagsspiele allez.

Was sonst noch kommt, sind natürlich mehr Beiträge in diesem Blog. Hoffentlich kann ich meinen Texten dann mehr Struktur verleihen, als diesem hier. Obwohl – eigentlich gefällt mir das so ganz gut. Deal with it.

 

Vorwärts, Kleeblatt!

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